12
Jan

Jeder Mensch hat seine Grenze


Es erscheint als schlichte Wahrheit: jeder Mensch hat seine Grenze. Praktisch kann dies eine schmerzhafte Erkenntnis sein: Ich spüre, dass es irgendwo nicht weiter geht. Vielleicht eine Erschöpfung.

Wenn ich mich jetzt immer mehr anstrenge, was passiert? Wo ist meine Grenze? Wie kann ich sie spüren? Wenn der Kopf sagt: „Mach doch weiter!“, und der Körper sagt: „Geht leider nicht!“ – was dann?

Automatisierte Stressreaktion

Die Gefahr besteht, dass oberhalb der Belastungsgrenze die Stressreaktion sich automatisiert. Viele kennen das: an manchen Tagen machen einem neue Belastungen gar nichts aus, an anderen können schon kleine neue Aufgaben zu viel werden.

Je nachdem, auf welchem Niveau der Anspannung Sie gerade sich bewegen, können neue Aufgaben noch bewältigt werden – oder aber nicht. Dabei wirken viele kleine Dinge (z.B. Ärgernisse) genauso wie eine größere Herausforderung. Oft sind sogar die kleinen Ärgernisse noch belastender, weil man sie weniger merkt.

Wenn ich an der Belastungsgrenze mich aufhalte, kann ich die Reaktion oberhalb der Grenze nicht mehr wirklich kontrollieren: bei Reaktionen oberhalb der Belastungsgrenze werden meist nur noch die Emotionen abreagiert (z.B. Ärger) mit einer Reaktion, die weitgehend automatisch abläuft. Z.B. wenn man jemanden „anmacht“, über den man sich geärgert hat. Sich dadurch „Luft“ verschafft. Das Problem selbst aber bleibt dabei meist ungelöst.


Das Anspannungsniveau regulieren

Wenn jemand spürt, dass er sich nah an der Belastungsgrenze bewegt, ist ganz wesentlich, sein Anspannungsniveau wieder zu senken. Das geht z.B. durch eine bewusste Entspannungsübung wie atmen oder durch eine kurze Auszeit. Damit lassen sich die angespannten Emotionen wieder regulieren und die Kontrolle über die Bewältigungs-Strategien wächst.

Auf längere Sicht ist wesentlich, positive und negative Aktivitäten in etwa im Gleichgewicht zu halten, um Überlastungen zu vermeiden. Anspannung = Entspannung.
Viele unterschätzen, wie wichtig gerade die Phasen der Regeneration sind.

Wie kann ich effektiv abschalten? Wie geht es, dass der Kopf nicht mehr weiterarbeitet, wenn ich mich ausruhen möchte? Es scheint eine spezifisch deutsche Angewohnheit zu sein, immer möglichst noch mehr aus sich herausholen zu wollen.
Wir können auch lernen von den Spitzensportlern: alle trainieren sehr viel und an der Leistungsgrenze. Diejenigen haben den größten Vorteil, die am schnellsten und effektivsten regenerieren können.

Belastungsgrenze spüren
Voraussetzung ist, das Anspannungsniveau im Körper überhaupt zu spüren. Bewährte Methoden dazu werden im Achtsamkeits-Training erarbeitet: Bodyscan, Achtsames Yoga, Atem-Meditation. Wenn ich spüre, was passiert, kann ich mich darauf einstellen.

Stress ist eine Körper-Reaktion. Um mein Stress-Niveau wahrzunehmen, brauche ich Kontakt zum Körper. Dann kann ich lernen, das Anspannungsniveau im Körper zu spüren, mit der Belastungsgrenze umzugehen. 

Etwa im Achtsamen Yoga: wenn ich eine Übung mache und der Körper sagt, eigentlich ist es jetzt genug („Ich kann nicht mehr“), kann ich entweder sagen „ok, in Ordnung, es ist genug“ oder „ich probiere noch ein bisschen weiter aus“ oder „mal sehen, wie weit ich gehen kann“. Auf diese ganz einfache Weise kann ich erproben, wie sich die Grenze anfühlt. Damit kann ich wieder Kontrolle gewinnen und meine Belastung besser steuern.

Dienstag, 12. Januar 2010 - Dr. Johannes Koepchen

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