Wenn Sie sich mehr Ihren realen Problemen als Ihren imaginären Problemen widmen möchten, wenn Sie besser verstehen möchten, wie der Kopf als Denkmaschine funktioniert und einfach Gedanken produziert, weil es sein Job ist – dann kann Ihnen das Buch von Matthias Wengenroth weiterhelfen.
Der Psychotherapeut Matthias Wengenroth hat für die „Acceptance and Commitmenttherapie (ACT)“ eine lebensnahe und gut lesbare Einführung geschrieben. Bisher gab es zur ACT vor allem eine schwerer verdauliche Primärliteratur.
Die ACT ist eine Weiterentwicklung der Verhaltenstherapie. Es geht – anders als bei der kognitiven Umstrukturierung – nicht darum, mehr oder weniger ungünstige (dysfunktionale) Gedanken durch günstige (funktionale) Gedanken zu ersetzen, sondern sich bewusst zu machen, dass es sich um Gedanken handelt und nicht um Realität. Den Patienten wird ausdrücklich empfohlen, eine kritische Distanz zu den eigenen Gedanken anzunehmen – die Methoden daraus stammen aus dem Buddhismus und aus der Achtsamkeits-Tradition.
Mit „Commitment“ ist die Verpflichtung zu den eigenen Werten gemeint, die ausdrückliche Beschäftigung mit dem Sinn: welche Dinge sind für mich wesentlich, warum lohnt es sich, auch schmerzhafte und unangenehme Dinge auf mich zu nehmen? Und kann ich mir auch Schmerzen oder negative Gefühle ansehen, so wie sie sind? Zur Schmerztherapie gibt es gute Wirksamkeits-Studien über ACT.
Oft kostet es viel Kraft, negative Empfindungen nicht wahrhaben zu wollen. Die ACT konfrontiert mit den unangenehmen Erfahrungen und schafft die Bedingungen, sich mit diesen liebevoll zu beschäftigen. Es gibt Übungen wie z.B. negative Gedanken auf Goldfische im Aquarium zu kleben und diese schwimmen zu lassen, oder eine Hitliste von negativen Gedanken anzufertigen und immer einen Haken zu machen, welcher Gedanke gerade dran ist. D.h. es ist keine Katastrophe, wenn solche Gedanken kommen, sondern ich kann sie als Teil meines Lebens integrieren.
Die ACT hat viel Ähnlichkeit mit dem Achtsamkeits-Training, ist entwickelt zur Therapie auch von hartnäckigen Störungen. Am besten hat mir der erste Teil des Buches gefallen, wo der „Kopf als Denkmaschine“ beschrieben wird – und warum diese Denkmaschine oft Unsinn fabriziert. Das ist beruhigend und schafft eine liebevoll-kritische Distanz zu den Gedanken, die einen immer wieder beschäftigen.
Matthias Wengenroth:
Das Leben annehmen. So hilft die Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT)
Huber, 2008