13
Jul

Oxytocin - mit Zärtlichkeit gegen Stress


Oxytocin ist ein "Klebstoff", ist das Hormon der zwischenmenschlichen Bindung. Entdeckt wurde es als Hormon, das bei Schwangeren Wehen auslöst und bei der Mutter die Milch einschießen lässt. Gleichzeitig bewirkt das Oxytocin intensive Gefühle von Nähe – bei Mutter und bei Kind.  Und Männer haben es auch.

Als "Hormon des Vertrauens" wird es zur Zeit intensiv erforscht. Sicher ist, dass Oxytocin eines der besten und zuverlässigsten (und angenehmsten) Mittel ist gegen Stress, es senkt das Stress-Hormon Cortisol und vermindert Ängste.

Als wehenförderndes Mittel wird Oxytocin schon viele Jahre zur Geburtseinleitung eingesetzt. Es ist ein Peptid-Hormon, das im Hypothalamus ausgeschüttet wird. Im Körper der Frau fördert es die Kontraktion der Gebärmutter und nach der Geburt den Milchfluss.

Oxytocin ist aber auch ein Neurotransmitter, der im Gehirn selbst erhebliche Modulationen der Grundstimmung bewirkt. Im Tier-Experiment löst es bei Ratten ein intensives Brutpflege-Verhalten aus. 

Berühmt wurde es als "Treue-Hormon", als "Langzeit-Klebstoff", weil eine bestimmte Mäuseart – die Präriewühlmäuse – lebenslang monogam und treu leben, während die nahe verwandten Bergwühlmäuse aggressive Einzelgänger sind und wahllos kopulieren – beide Arten unterscheiden sich dadurch, dass Präriewühlmäuse stark ausgeprägte Oxytocin-Rezeptoren haben. (Allerdings wurde diese Erklärung kürzlich in Frage gestellt.)

Bei Menschen ist in Forschungen nachgewiesen: Oxytocin kann

  • bei streitenden Paaren die Konfliktbereitschaft senken
  • bei Frauen (mit häufigen Umarmungen) den Blutdruck senken
  • bei Autisten die Zuwendung zur Außenwelt und die soziale Wahrnehmung steigern
  • bei sozialen Phobien die Ängste senken, allerdings nur in Verbindung mit Verhaltenstherapie
  • bei Verhandlungen das Vertrauen in Finanzinvestoren verstärken (allerdings nur in eine Person, nicht in ein Computerprogramm)
  • bei Frauen, die in eine spezifische Stress-Situation gebracht wurden, durch Nackenmassage stressmindernd wirken (während bloßes Zureden nicht wirksam war).

Oxytocin ist also wirklich ein bemerkenswerter sozialer Klebstoff.

Wie kann ich mein Oxytocin erhöhen:

  • durch jede Form von Zärtlichkeit
  • durch Sex mit einem Partner
  • durch Hautkontakt: vor allem durch Streicheln und Massagen

Das dürfte ein weiterer Grund sein, warum Massagen so beliebt sind. Und wirksam: gegen Depressionen wirken Massagen ebenso gut wie Medikamente.

 

P.S. 1  Bei Männern ist das Oxytocin am stärksten erhöht nach dem partnerschaflichen Orgasmus (nicht nach einer Masturbation).
P.S. 2  Bei Frauen führt der Anstieg von Oxytocin nach einem Orgasmus zu einer intensiven Wahrnehmung der Umgebung. Bei Männern bewirkt derselbe Anstieg, dass Einzelheiten rasch vergessen werden. Wozu die Natur sich das nun wieder ausgedacht hat?!

Links:

Montag, 13. Juli 2009 - Dr. Johannes Koepchen

Kommentare deaktiviert für Oxytocin – mit Zärtlichkeit gegen Stress

Kommentare

Kommentare sind geschlossen

Suche

Facebook

Leser fragen Dr. Koepchen

Lieber Leser, wenn Sie spezielle Fragen zum Thema Stress und Stressmedizin haben, kann ich gern hier darauf eingehen.

Leserfrage an Dr. Koepchen

Infobrief

Tragen Sie sich jetzt ein und erhalten wissenswerte und spannende Themen direkt ins Postfach!

Medizinische Beratung

Zu den Erkrankungen durch Stressbelastung und "burn out"-Syndrom, können Sie auch persönlich mit mir Kontakt aufnehmen. Rufen Sie mich an oder schreiben Sie mir Ihr Anliegen. Ich melde mich gerne bei Ihnen! Ihr Dr. med. Johannes Koepchen

Anfrage zur Hilfe bei burn out

Links

Alle öffnen | Alle schließen

Internetmarketing