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Mrz

Stress und Stressbelastungen: 7.Stress und Burnout


Jeder kennt Zustände von Erschöpfung – wenn wir uns verausgabt haben, körperlich nach einem langen Lauf oder mental nach einer Prüfung oder eine Kombination aus beidem, z.B. nach einem langen Arbeitstag oder wenn die Kinder endlich abends im Bett sind und schlafen. Erschöpfung ist eine gesunde Reaktion auf vorangegangene Belastung: wenn ich eine Zeitlang für mich sorge, kann ich wieder Kräfte tanken, mich regenerieren und erneut beginnen.
Wenn jemand ins Burnout zu rutschen beginnt, klappt diese Form von Erholung nicht mehr. Burnout entsteht meistens durch eine chronische Stressbelastung. Kennzeichen sind:

  • ein Gefühl von „Innerer Erschöpfung“, von Ausbrennen
  • ein Gefühl von Überforderung, wenn alles zu viel wird und schon Kleinigkeiten sich wie ein Berg auftürmen
  • ständig auf zu hoher Drehzahl laufen, wobei oft die Arbeitsbedingungen mit Emails, EDV und zahlreichen Aufgaben noch treiben
  • sich selbst ständig antreiben und von sich selbst zu viel verlangen
  • sich unrealistische Ziele setzen und sich dadurch selbst unter Druck setzen
  • wenn die eigene Person und die eigene Leistung nicht genügend wertgeschätzt wird
  • wenn wichtige persönliche Bedürfnisse längerfristig zu kurz kommen, wenn die persönlichen Lebensziele unerreichbar scheinen

Meist sind es Antreiber von außen und von innen, die einen permanent über die Grenze der Belastbarkeit drücken. Typische Warnzeichen für ein beginnendes Burnout-Syndrom sind:

  • nicht mehr abschalten können, wenn Entspannung nicht mehr funktioniert
  • Schlafstörungen (vor allem frühes Aufwachen)
  • nicht mehr genießen können (auch sexuell)
  • gereizt reagieren
  • sich über Kleinigkeiten ärgern
  • Gefühl von „innerer Leere“
  • sich nicht mehr in der üblichen Erholungszeit regenerieren können
  • körperliche Warnzeichen wie hoher Blutdruck, Ohrgeräusche (Tinnitus), häufige Infekte, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Symptome

Früher gab es auch Menschen, die erschöpft waren. Warum nimmt Burnout zu?

  • Die Anforderungen aus der Arbeitswelt und der Umwelt steigen. Daran wird sich auch in absehbarer Zeit nichts ändern.
  • Die tägliche „Drehzahl“, auf der unser Leben abläuft, ist so hoch, wie es noch nie in der Evolution der Menschen war.
  • Beschleunigung des täglichen Lebens ist ein wesentliches Thema. Fernsehen und Email und Handys können noch mehr Reserven aus einem herauslocken.

  • Warum sagt jemand nicht „nein“, wenn er spürt, dass die Erschöpfung kommt? Es gibt immer eine Menge von inneren „Antreibern“, die jemanden ins Burnout bringt. Oft sind es Menschen, die mit hohen Idealen ihren Beruf beginnen, und an der Realität sich aufreiben.
  • Erste Warnzeichen des Körpers werden nicht wahrgenommen oder weg geschoben. Bei Nackenschmerzen oder Augenflattern oder Tinnitus neigen wir dazu, diese Warnlampen des Körpers lieber zu ignorieren.
  • Wer zu wenig Anerkennung für die eigene Leistung (auf der Arbeit, gesellschaftlich oder im engen Umfeld) erhält, neigt häufiger zum Ausbrennen.

Warum dauert die Genesung so lang, wenn jemand an Burnout erkrankt? Jemand, der mit Burnout ausfällt, ist oft erst nach Monaten wieder in der Lage, an seinen Arbeitsplatz zurückzukehren. Es scheint so, dass ein ganzes System zusammenbricht. Das Typische am Burnout ist, dass der Prozess ab einer gewissen Stufe nicht mehr willentlich zu steuern ist. Sich noch einmal „zusammenreißen“ geht dann nicht mehr. Es ist so, als würde das Gehirn abschalten und dicht machen. Wenn das Großhirn von Stresshormonen überschwemmt wird, leiden alle Denkfunktionen. Wenn dazu noch das Gefühl der Hilflosigkeit tritt, kommt es zur depressiven Erschöpfung, wo auch die eigenen Kraftquellen, die einem sonst aus Krisen heraushelfen, nicht mehr zu erreichen sind. Die Behandlung muss daher oft ganz langsam den Menschen wieder „aufbauen“ – mit neuen Erfahrungen von Körper, Kraftquellen, sozialer Unterstützung. Und oft dem Eingeständnis, dass vielleicht das bisherige Lebenskonzept geändert werden muss. Um solche schmerzhaften Erfahrungen zu vermeiden, ist wesentlich, frühzeitig festzustellen, wann die Stressbelastungen zu viel werden.

Ergänzende Literatur-Empfehlungen:

G. Kaluza: Gelassen und sicher im Stress. Das Stresskompetenz-Buch.
Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2007

Marc Stollreiter, Johannes Völgyfy, Thomas Jencius: Stress-Management. Das WAAGE-Programm: mehr Erfolg mit weniger Stress.
Beltz, Weinheim-Basel 2000

Albert Ellis, Dieter Schwarz, Petra Jacobi: Coach dich! Rationales Effektivitäts-Training zur Überwindung emotionaler Blockaden.
hemmer/wüst-Verlag, Würzburg 2004

Gerald Hüther: Biologie der Angst. Wie aus Stress Gefühle werden.
Sammlung Vandenhoeck, Göttingen 2001

Maja Storch: Das Geheimnis kluger Entscheidungen.
Pendo-Verlag, Zürich 2003Andreas

Hillert, Michael Marwitz: Die Burnout-Epidemie.
C.H.Beck, München 2006

Matthias Burisch: Das Burnout-Syndrom. 3. Aufl.
Medizin Verlag, Heidelberg 2006

Sonja Lyubomirsky: Glücklich sein. Warum Sie es in der Hand haben, zufrieden zu leben.
Campus, Frankfurt 2008

Dr. med. Johannes Koepchen
31.10.2008

Dienstag, 3. März 2009 - Dr. Johannes Koepchen

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