Die persönlichen Kompetenzen im Umgang mit Stressbelastungen lassen sich trainieren. Auch bei zunehmenden Stressbelastungen kann so jeder seine Gesundheit schützen und seine Leistungsfähigkeit langfristig sichern oder erhöhen.
Das moderne Stressbewältigungs-Training ist multimodal aufgebaut und umfasst im Wesentlichen folgende Bereiche:
Entspannen und loslassen: Das Entspannungstraining
Die Natur hat – als Ausgleich für die Stressreaktion – auch eine Entspannungs-Reaktion entwickelt. Mit unterschiedlichen Methoden lässt sich die Stress-Reaktion stoppen und die Entspannungsreaktion einleiten. Für den Alltag bewährt haben sich vor allem zwei Verfahren:
- das Atem-Training (Focus auf Bauchatmung als Gegensatz zur Stressatmung)
- die gezielte Muskel-Entspannung (Progressive Muskel-Relaxation nach Jacobsen)
Beide Methoden lassen sich gut trainieren und stehen dann für Belastungs-Situationen zur Verfügung.
Persönliche Stressverstärker erkennen und verändern: Das Kognitionstraining
Inwieweit die persönlichen Denkmuster und Einstellungen für die eigene Reaktion auf Belastungen verantwortlich sind, wird im Kurstraining in einem strukturierten Prozess erarbeitet. Typische Einstellungen sind z.B.
- „Ich mag nicht ‚nein’ sagen.“
- „Es soll alles möglichst perfekt sein.
- „Starke Menschen brauchen keine Hilfe.“ Oder
- „Es ist schlimm, wenn ich einen Fehler mache.“
Es geht auch um gewohnheitsmäßige Denkmuster wie Katastrophisieren oder negative Gedanken-Schleifen wie Grübeln. Diese ungünstigen Denk-Gewohnheiten werden erforscht. Dadurch lassen sich günstigere, konstruktive, stressvermindernde Einstellungen und Denkmuster entwickeln und individuell trainieren.
Stresssituationen wahrnehmen, annehmen und verändern: Das Problemlösetraining
Eine besondere Herausforderung ist der Umgang mit Situationen, die nicht zu ändern sind. Wie gelingt es, rasch vom Problem zur Lösung zu kommen, Probleme als Herausforderung zu sehen und aus allem das Beste machen? Wie kann ich Ärger-Situationen rasch abhaken und nach vorne denken? Hier gibt es bewährte Methoden aus dem Training z.B. für Sportler oder für Führungskräfte, die im Alltag gut anwendbar sind.
Erholen und genießen: Das Genusstraining
In der Natur gibt es offenbar eine Tendenz, mehr die negativen Dinge wahrzunehmen als die positiven: es fällt uns mehr auf, wenn ein Zug zu spät kommt als wenn er pünktlich kommt. Wir bemerken eher, wenn etwas schief geht, als wenn etwas gut klappt – das halten wir für normal.
Im Genusstraining geht es darum, zum einen den Focus mehr auf die Dinge zu richten, die in Ordnung sind. Das erhöht unsere Zufriedenheit und verhilft zu einer realistischen Einschätzung. Und es geht um die Stärkung der Bereiche im Leben, die zur Regeneration dienen.
Helmut Tietz