Meine eigene Bewertung ist verantwortlich für meine Stressreaktion. Immer wenn wichtige Ziele von mir in Gefahr sind, gibt das Gehirn Alarm. Und was diese Ziele sind, ist in großen Teilen meine eigene Einschätzung. (Für den einen ist es z.B. sehr wichtig, dass alles sehr gut und perfekt ist, der sieht das weniger eng.)
Das erklärt, warum die Reaktion auf dieselbe Belastung entweder bei mir selbst oder zwischen verschiedenen Menschen ganz unterschiedlich sein kann:
- wenn ich gut drauf bin und gut erholt, kann mich nichts aus der Ruhe bringen
- wenn ich aber schon unter Druck bin, dann nervt mich vielleicht schon die geringste weitere Kleinigkeit.
- über dieselbe Situation ärgert sich vielleicht der eine, der andere nimmt es locker (z.B. wenn eine Bahn verspätet kommt, wenn ein Kunde sich beschwert, wenn es auf einem Ausflug regnet, …)
Es macht Sinn, zu unterscheiden zwischen dem Ereignis selbst und meiner Bewertung dieses Ereignisses. Auch wenn ich das Ereignis nicht ändern kann, so kann ich mich doch fragen, ob meine Bewertung vernünftig ist. Und ob vielleicht andere Bewertungen möglich sind.
Wer seine Kompetenz im Umgang mit Stressbelastungen erhöhen möchte, wird sich überwiegend mit diesem Bereich der Bewertung beschäftigen.
Als Beispiel: die Reaktion auf „Es regnet“ kann ganz unterschiedlich sein, je nach der Bewertung. Also: wenn ich meine Reaktion auf ein Ereignis ändern möchte (z.B. mich weniger ärgern möchte über etwas), ist es lohnend, die Bewertung zu überprüfen und vielleicht zu ändern.