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Mrz

Widerstandskraft gegen Stress


Viele Stressbelastungen sind nicht zu vermeiden. Woran liegt es, dass die einen diese Anforderungen gut überstehen und gesund bleiben, während andere sich verausgaben und krank werden? Die Psychologin Suzanne Kobasa hat untersucht, was Menschen unter Stress gesund hält und dazu das Konzept der "hardiness" (Widerstandskraft) entwickelt.

In den Jahren nach 1970 war es modern, die Stressbelastung nach der "Life-Event-Skala" einzuschätzen: diese Liste enthielt positive (z.B. Heirat) und negative (z.B. Krankheit eines Familienmitglieds), häufigere (z.B. dichter Strassenverkehr) und seltenere Ereignisse (z.B. Tod eines Kindes). Für jedes dieser Ereignisse gab es eine Punkt-Bewertung von 0-100 (z.B. für eine Scheidung 73 Punkte, für Arbeitslosigkeit 13 Punkte). Jeder konnte für sich ausrechnen, wie hoch sein persönlicher Punktestand war und es gab die allgemeine Warnung, dass ab einer bestimmten Punktzahl eine Erkrankung sozusagen unausweichlich sei.

Das Problem an der Methode war, dass es eine Menge von Menschen gab, die trotz hoher Punktzahl gesund blieben. Die Psychologin Suzanne Kobasa wollte wissen, was diese Menschen von der Erkrankten unterscheidet und daher in den 70er Jahren eine Studie durchgeführt, die noch heute wichtig ist.

Die Fragestellung war: Warum werden manche Menschen unter Stress krank und andere nicht?
Die Methode: Unterschiedliche Menschen wurden bis zu 5 J. lang untersucht: Angestellte, Rechtsanwälte, Frauen in einer Gynäkologischen Praxis. Alle hatten ähnliche Belastungen, aber unterschiedliche gesundheitliche Auswirkungen.

Das Ergebnis der Studie war:

  • Es gab starke Verbindungen zwischen körperlicher Gesundheit und bestimmten inneren Haltungen
  • Es gab keine Beziehung zwischen belastenden Ereignissen im Leben und körperlichen Krankheiten.

Nach S. Kobasa entsteht Widerstandsfähigkeit gegen Stress durch 3 Elemente:

  1. Engagement und Verantwortungsgefühl (commitment, im Gegensatz zu Entfremdung): Menschen, die sich aktiv einbringen und engagieren bei allem, was sie tun, bei Sachen oder bei Personen
  2. Gefühl von Kontrolle (im Gegensatz zu Machtlosigkeit): die Fähigkeit, sich im Leben auf das zu konzentrieren, was man ändern kann, und das Vertrauen, dass die eigenen Aktivitäten dazu auch nützlich sind
  3. Herausforderung (im Gegensatz zu Bedrohung): die Erwartung, dass die Änderungen des Lebens eine Anregung für die eigene persönliche Entwicklung sein werden. Die Fähigkeit, belastende Situationen als Chancen zu sehen.

Im Vergleich zu diesen inneren Einstellungen waren andere Fähigkeiten wie körperliche Aktivität oder Unterstützung durch andere weniger relevant.
Das Gute daran ist: jedes dieser 3 Elemente kann man lernen und trainieren.

Die Arbeiten von S. Kobasa haben die frühere Meinung, die äußeren Umstände seien hauptverantwortlich für die Stressreaktion, nachhaltig verändert.
Ähnlich Konzepte aus dieser Zeit sind z.B.
– das Konzept des Selbstwirksamkeit von Albert Bandura
– das Konzept der Salutogenese von Antonovsky
(mit den Elementen Verstehbarkeit, Bewältigbarkeit und Sinnhaftigkeit)
– das Konzept der Stressbewältigung (coping) von Richard Lazarus
(dieses Konzept ist die Basis der meisten Programme zum Stressmanagement).


Literatur:

– Kobasa SC: Stressful Life Events, Personality and Health: An Inquiry Into Hardiness.
Journal of Personality and Social Psychology 1979 (37), 1-11
– Kobasa SC, Maddi SR, Kahn S: Hardiness and health: A prospective study.
Journal of Personality and Social Psychology 1982 (42), 168-177
– Kobasa SC, Maddi SR, Puccetti MC, Zola MA: Effectiveness of hardiness, exercise and social support as resources against illness. Journal of Psychosomatic Research 1985 (29), 525-533

Mittwoch, 12. März 2008 - Dr. Johannes Koepchen

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