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Mrz

Achtsamkeit macht schlank und gesund


Wer seine tägliche Arbeit als Möglichkeit zum Gesundheits-Training ansieht, wird schlanker und gesünder. Es ist wahrscheinlich, dass die Einstellung zum körperlichen Training mindestens so wichtig ist wie das Training selbst. Dies ist das erstaunliche Ergebnisse einer Studie der Psychologien Ellen J. Langer von der Harvard-Universität unter dem Titel ‚Mind-Set Matters (Es kommt auf die Einstellung an)‘.

Das Studien-Design:

  • 84 Raumpflegerinnen in 7 verschiedenen Hotels wurden untersucht.
  • Alle wurden darüber informiert, dass es für ein Training zur körperlichen Fitness nach medizinischen Empfehlungen ausreicht, sich täglich viel und aktiv zu bewegen und dass man dazu nicht unbedingt beim Joggen hart und schmerzhaft trainieren muss. Es wurde z.B. vorgerechnet, wie viele Kalorien bei diesen Aktivitäten verbrannt werden, z.B. 40 kal bei 15 min Bettenmachen etc.
    Diese Informationen wurden auch in den betreffenden Hotels ausgehängt.
  • Die Studiengruppe erhielt zusätzlich die Information, dass ihre täglich Arbeit als Putzfrauen genau diesen Empfehlungen entsprach. Die Kontrollgruppe wurde darüber nicht informiert.
  • Erfasst wurden im Abstand von 4 Wochen u.a.
    • inwieweit wurde die tägliche Arbeit als Training angesehen
    • Training außerhalb der Arbeitszeit
    • Sonstiges Gesundheitsverhalten (Alkohol, Kaffee, Rauchen, Ernährung, etc.).
  • Gemessen wurde am Abstand von 4 Wochen u.a.:
    • Körpergewicht und Körperfettanteil
    • Body-Mass-Index (Verhältnis von Gewicht zur Größe)
    • Waist-to-Hip-Ratio (Körperumfang Taille/Hüfte)
    • Blutdruck

Die Ergebnisse nach 4 Wochen für die Studiengruppe:

  • deutlich mehr Raumpflegerinnen sahen ihre Arbeit als Training (Anstieg von 29 auf 45, in der Kontrolle nur 15%)
  • das Gewicht sank in 4 Wochen im Schnitt um ca 2 Pfund
  • das Körperfett reduzierte sich deutlich
  • der Taillenumfang nahm deutlich ab
  • der systolische Blutdruck verminderte sich um ca 10 Punkte

Ergebnisse nach 4 Wochen

Ergebnisse nach 4 Wochen


Wie geht das? Thesen und Diskussion:

– Hat sich das Verhalten bei der Arbeit selbst geändert? (Leider wurde nicht erfasst, ob die Putzfrauen angefangen haben zu Tanzen und zu Singen, aber das ist wenig wahrscheinlich. Auch das allein wäre schon ein tolles Ergebnis!)
– Wie erzeugt die Änderung der Einstellung einen höheren Kalorienverbrauch und einen niedrigeren Blutdruck?
– Ist es schon positiv, wenn der Stress der täglichen Routine weniger wird und wenn die Arbeit als sinnvoll erscheint und nützlich für mich selbst?
– Offenbar ist jeder selbst für den Effekt des Trainings verantwortlich.
– Und die veränderte Einstellung verändert die Ergebnisse.

Die Studienleiterin schätzt ein:
Die Wirksamkeit eines Trainings hängt offenbar davon ab, wie
– aktiv (actively)
– absichtsvoll (delieberately) und
– achtsam (mindful)

wir unser Leben gestalten.

Konsequenzen für die tägliche Arbeit:
– Schon die Aufklärung über den Sinn der körperlichen Aktivität im Alltag ist gesundheitsfördernd.
– Eine positive Motivation unterstützt ganz wesentlich den Effekt des körperlichen Trainings (Motto: es reicht nicht aus, sich mit muffeligem Kopf auf den Heimtrainer zu setzen und seine halbe Stunde zu machen, weil es eben sein muss)
– Arbeit darf auch Spass machen!

Literatur:
Alia Crum, Ellen J. Langer, Mind-Set Matters. Psychological Science 2007(18), 165-171

Anmerkung:

Hinweise auf diese Zusammenhänge bestehen z.B. aus folgenden "klassischen" Studien:

  • Wie man den eigenen Gesundheitszustand selbst einschätzt, ist wichtiger für die eigene Lebenserwartung als der objektiv gemessenes Status (Kaplan, Caramacho 1983).
  • Ältere Personen, die ihren Gesundheitszustand als "schlecht" einschätzen, sterben 6x häufiger als diejenigen, die ihren Gesundheitszustand als "excellent" einschätzen – unabhängig von ihrem tatsächlichem Status (Idler,Kasl 1991).
  • Schon 1976 hat Ellen Langer eine Studie in einem Altenheim durchgeführt: wer eine Pflanze in seinem Zimmer pflegen und betreuen durfte und dabei eigene Aktivitäten entfaltete, hatte eine deutlich geringere Sterblichkeit: nach 1,5 Jahren war die Sterblichkeit in der aktiven Gruppe nur halb so gross wie in der ‚passiven‘ Gruppe. (Langer,Rodin 1976/1977)
  • In der Medizin werden häufig die Auswirkungen der Einstellung auf den Heilungsverlauf etwas abwertend als "Placebo"-Effekt bezeichnet und sind dort gut erforscht: z.B. bei Antidepressiva ist die Medikamentenwirkung zu mindestens 50% auf den Placebo-Effekt zurückzuführen.

Donnerstag, 6. März 2008 - Dr. Johannes Koepchen

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