Nach dem Modell des "selbstsüchtigen Gehirns" stellt das Gehirn zuallererst seine eigene Energie-Versorgung sicher.
Das Gehirn hat dabei Besonderheiten:
- Es ist in der Blutzirkulaton vom übrigen Körper durch die Blut-Hirn-Schranke abgegrenzt (Glukose gelangt nur mit speziellen Transporter-Systemen in das Gehirn, andere Energielieferanten wie Fette kommen nicht ins Gehirn).
- Der Energieverbrauch des Gehirns ist im Verhältnis zum übrigen Körpergewicht um ein Vielfaches höher (ca 25% des Sauerstoffs wird im Gehirn verbraucht, wobei das Gehirn ca 7% des Körpergewichts ausmacht).
- Das Gehirn kann keine Energie speichern, ist also auf ständige Zufuhr angewiesen.
- Nur Glukose kann vom Gehirn als Energielieferant genutzt werden (und in Ausnahmefällen Ketonkörper).
- In Notsituationen sichert das Gehirn zuerst seine eigene Energieversorgung.
- Unter Stress wird der Glukose-Transport ins Gehirn begünstigt, auf Kosten der Versorgung des Körpers.
- Dadurch werden die Körperspeicher geleert. In der Folge steigert das Gehirn die Nahrungsaufnahme, um die Speicher wieder zu füllen - unabhängig vom tatsächlichen Energiebedarf des Körpers.
Mehr Einzelheiten und einen didaktisch schön aufbereiteten Lehrfilm finden Sie auf der Homepage von
selfish-brain.
Die Arbeitsgruppe um Prof. Achim Peters hat seit 2004 die Erkenntnisse gewonnen
- mit welchen Mechanismen das Gehirn seinen eigenen Zuckergehalt so "eigensüchtig" aufrechterhält,
- wie das Gehirn in kritischen Situationen immer mit einem größeren Energieanteil versorgt wird als der Körper
- wie bei übergewichtigen Menschen der Gewicht-Sollwert im Gehirn verstellt ist und
- wie bei chronischer Stressbelastung die Energieströme zwischen Gehirn und Körper fehlgeleitet werden und Übergewicht entsteht.
Bisher wurde häufig die Gewichtszunahme unter Stress auf den erhöhten Spiegel des Stresshormons Cortisol zurückgeführt: Cortisol (als Gegenspieler des Insulin) stört
die Zuckerverwertung und erhöht kompensatorisch das Hormon Insulin.
Wenn Insulin erhöht ist, kann der Körper die Fettdepots nicht
verbrennen.
Es ist auch bekannt, dass negative Emotionen (wie posttraumatische Belastungs- Störungen und depressive Episoden) den Zuckerhaushalt auf vielfältigen Ebenen (bis zur Genexpression) beeinflussen und dadurch das Risiko eines Diabetes erhöhen.
Das Modell des "selfish-brain" versucht, den komplexen hormonellen Regelungen gerecht zu werden. Ein neuer Schwerpunkt der Lübecker Forscher setzt die Ergebnisse in die Praxis um: weil Übergewicht im Kopf entsteht, soll auch bei der Therapie genau da angesetzt werden: "train the brain".
meine Frage ist, was kann ich gegen Stress und Depressionen tun und um Übergewicht zu vermeiden die Selfish Brain trainieren.
Würde mich für eine Rückantwort sehr freuen. Vielen Dank im Voraus
mit freundlichen Grüßen
Hinz