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Apr

Leseempfehlung: Achim Peters, Mythos Übergewicht. Warum dicke Menschen länger leben.


Übergewicht ist keine Krankheit. Es ist die erfolgreichste Strategie des Organismus, mit Stress umzugehen! Es gibt zwei Stresstypen: der eine nimmt unter Stress ab (Typ A), der andere nimmt zu (Typ B). Gewichtszunahme ist nichts anderes als eine Folge von Überbeanspruchung des Stress-Systems. Und neue Fakten belegen: Typ B ist weniger anfällig gegen Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall und Depression als Typ A. Dickere Menschen überleben diese Belastungen länger.

Mythos Übergewicht Cover
Achim Peters hat seit 1998 seine Theorie des „selfish brain“ entwickelt und in einer Arbeitsgruppe der Deutschen Forschungsgesellschaft in Lübeck ausgearbeitet: das Gehirn steuert selbst aktiv seine Versorgung mit Zucker. Zusammen mit dem renommierten Stressforscher Bruce McEwen hat Peters ein Modell entwickelt, wie Übergewicht und Stress als gesellschaftliches Phänomen zusammenhängen. Ihr Modell ist mit allen verfügbaren Studien und Forschungsergebnissen untermauert.

 

Es gibt zwei genetisch vorbestimmte Stresstypen:

  • Stresstyp A reagiert stark auf Stressbelastungen, ist hochreaktiv. Das Stresshormon Cortisol zieht den Zucker aus dem Körper ins Gehirn. Dafür sorgt eine komplexe Kette von Rezeptoren. Stresstyp A reagiert unverändert auch unter Dauerstress.
  • Stresstyp B passt sich bei Dauerstress an, wird niedrigreaktiv. Das hat genetische Ursachen im Rezeptor-Stoffwechsel. Allerdings verliert das Gehirn dabei die Fähigkeit, ausreichend Zucker aus dem Körper zu ziehen. Deshalb veranlasst es, dass mehr gegessen wird, damit mehr Zucker im Blut zirkuliert. Typ B nimmt dadurch an Gewicht zu, ist aber vor den sonstigen Stressfolgen mehr geschützt. Und das Gehirn schafft sich eine eigene Stoffwechsel-Reserve mit dem Bauchfett.

 

Diese These provoziert. Peters untermauert sie mit neuesten Forschungen. Z.B. überleben Dicke auf Intensivstationen länger. Große Verlaufsstudien aus Dänemark und Großbritannien haben belegt, dass Menschen mit einem höheren Gewicht länger überleben. Und: wer lernt, mit schwierigen Emotionen besser umzugehen und dadurch seinen Stress zu vermindern, nimmt auch ohne Diät ab, in einer Studie im Schnitt 7,9kg in 2 Jahren.

Der meiste Stress kommt aus unsozialen Verhältnissen. In einer Studie aus den USA mit 4.500 Teilnehmern konnten Frauen aus armen Stadtteilen nach Zufallsprinzip in reichere Stadtteile umziehen. Nach 18 Jahren waren sie deutlich schlanker (das lag nicht an der Ernährung). Dagegen musste eine große Studie an 5145 Übergewichtigen, die mit Diät und Bewegungsprogramm behandelt wurden, nach 11 Jahren wegen Erfolglosigkeit abgebrochen werden: Diät und Bewegung allein reicht nicht zum Abnehmen.

Übergewicht ist keine Frage von Willensstärke und Disziplin, sondern vor allem eine Folge von sozialer Unsicherheit und von negativen Emotionen. Z.B. stieg das Durchschnittsgewicht in den Neuen Bundesländern nach der „Wende“ an. Und Peters wendet sich scharf dagegen, dicke Menschen zu stigmatisieren.

Ein spannendes Buch auf wissenschaftlichem Niveau, gut lesbar. Alle Quellen sind gut belegt und nachvollziehbar.

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Dienstag, 16. April 2013 - Dr. Johannes Koepchen

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