McEwen beschreibt in seinem Buch "The End of Stress as we know it" (2003) das Paradoxon, dass in bestimmten Situationen die Stressreaktionen uns schützen und für die Gesunderhaltung essenziell sind, uns in anderen Situationen allerdings Schaden zufügen und krankmachen können.
Die physiologischen Reaktionen des Körpers auf Stress sind bis in die molekularen Einzelheiten erforscht, insbesondere in der Psychoneuroimmunologie.
Zur Beschreibung der Stressrekation verwendet McEwen den Begriff "Allostasis": dies bezeichnet die Aufhäufung von belastenden Faktoren.
Eine moderate Allostase ist gesundheitsfördernd und hilfreich
beim Umgang mit den alltäglichen Stressoren. Fällt diese Reaktion allerdings zu heftig
aus oder hält sie zu lange an, hat dies schödigende Einflüsse auf den
Organismus, was McEwen als "Allostatic Load" bezeichnet.
Die Auswirkungen der Stressbelastungen auf psychische und körperliche Funktionsabläufe hängen nach dem Modell entscheidend davon ab, wie der Stress wahrgenommen und verarbeitet wird:
Das Stressmodell von McEwen verbindet das Transaktionale Stressmodell der kognitiven Verhaltenstherapie
(die sog. "Kognitive Wende" von Lazarus: nicht der äußere Stressor, sondern meine eigene Bewertung und die Fähigkeit zur Stressbewältiung
entscheiden über die Stressreaktion) mit dem aktuellen Stand der
Psychobiologie.
Neueste Ergebnisse der Psychoneuroimmunologie belegen, dass kognitive Prozesse, also die gedankliche Auseinandersetzung mit der belastenden Situation, allein schon zu nachhaltigen körperlichen Veränderungen führen können, vor allem zu einer veränderten Hormonausschüttung und zu Veränderungen im Immunsystem.
Die Abbildungen sind entnommen dem lesenswerten Beitrag von M.Schedlowski (s.u.)
Literatur:
Bruce McEwen, E.L.Lasley: The End of Stress as we know it. Washington D.C. 2003 (National Academic Press)
Manfred Schedlowski: Stress, Stressreaktionen und Belastungsbewältigung. in: Matthias Lauterbach, Gesundheitscoaching. Heidelberg 2005
Schulz KH, Heesen Chr, Gold StM: Das Stresskonzept von Allostase und Allostatic Load: Einordnung psychoneuroimmunologischer Forschungsbefunde an Beispielen zur Autoimmunität und Onkologie. Psychother Psych Med 2005; 55: 1-10