Die nähere Beschäftigung mit den Fakten zur Parkinson-Erkrankung bietet einige Überraschungen:
Demenz:
Die Häufigkeit von Demenz bei Mb. Parkinson wird überschätzt:
sie tritt bei Parkinson-Patienten in 4-16% auf. Der Altersdurchschnitt für das Auftreten von Demenz (bei Alter über 65J) ist 8%. Also: mindestens 84% aller Parkinson-Erkrankten sind geistig voll leistungsfähig.
Die Fehleinschätzung (und Sorge) kommt daher, dass die typische Denkverlangsamung (Bradyphrenie) mit kognitiven Defekten verwechselt wird. Auch frühere Testverfahren haben diesen Unterschied nicht ausreichend berücksichtigt.
Emotionale Beeinträchtigung:
- 90%
haben eine Symptomsteigerung schon bei minimalem Stress - 93%
haben Angst vor Hilflosigkeit
psychologische Besonderheiten:
- die Symptome sind sozial wirksam und auffällig (DD z.B. bei Diabetes)
- mentale Omnipräsenz: die Krankheit ist immer da
- unkontrollierbare Fluktuationen der Beweglichkeit: der Verlauf ist stark
phasisch. Von der Umwelt können die unterschiedlichen Fähigkeiten als Absicht
ausgelegt werden, zumal die Fähigkeit zur Mitteilung erschwert ist. - der Einfluss von Erwartungen auf die Symptomatik ist erheblich, positiv wie
negativ (s. Placebo-Effekt bei Neurotransplantation) - -
abnehmende Ausdruckfähigkeit von Emotionen: die Gefühle sind stark, der
mimische Ausdruck ist gering oder fehlend (Dissoziation von Körpergefühl und
Körperausdruck)
psychologische Belastungen durch:
- unkontrollierbare Bewegungen: verursachen extrem negative Emotionen (Ärger,
Furcht, Frustration) - erhebliche Bedrohung des eigenen Wertbildes
- verlangsamte kognitive Funktionen: bei voll erhaltener Gedankenklarheit wird
die Verlangsamung v.a. nach außen hin als Demenz verkannt - soziale Angst (negative Bewertung in der Öffentlichkeit)
- stressinduzierte Zunahme der Symptome (z.B. Tremor, motorische Blockade zum
Gehen, Schreiben oder Sprechen) - depressive Stimmungen verstärken die Symptome
- die Freiräume bei guter medikamentöser Behandlung werden nicht ausreichend
genutzt - der Verlauf der Erkrankung ist stark individuell unterschiedlich und schwer
vorhersagbar
Alltags-Stress
typischerweise in Situationen wie:
- Essen in sozialen Situationen (Restaurant, Familienfeiern, Urlaub)
- Bezahlen mit Münzen (beim Einkaufen)
- Unterschrift leisten (bei der Bank)
- Bewegungs-Verlangsamung bei Alltags-Tätigkeiten (Geschirrspülen am Abend)
- auffälliges Zittern in der Öffentlichkeit (Theaterbesuch)
Literatur: Ellgring, Gerlich, Macht, Schradi und das EduPark-Konsortium (Hrsg.):
Psychosoziales Training bei neurologischen Erkrankungen - Schwerpunkt
Parkinson. Stuttgart 2006
Macht M., Ellgring H: Psychologische Interventionen bei der Parkinson-Erkrankung. Stuttgart 2003