23
Mai

Protein macht wach – Zucker macht müde


Ein Stückchen Traubenzucker ist bei Kopfarbeitern beliebt zur Leistungs-Steigerung, „das geht sofort ins Gehirn“. Stimmt auch. Allerdings macht es auch rasch wieder müde. Bis vor kurzem wurde dies erklärt durch den schnellen Anstieg und dann wieder Abfall des Blutzuckerspiegels – wenn der nach dem Verbrauch des Zuckers absinkt, sinkt die Leistungsfähigkeit. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. 

Inzwischen ist bekannt, dass Zucker auch ungünstig auf das Wach-Hormon Orexin wirkt: Zuckeraufnahme hemmt die Ausschüttung von Orexin. Das haben Forscher um Denis Burdakov von der Universität Oxford durch Experimente an Mäusen kürzlich herausgefunden. Der Körper bekommt durch den Zuckeranstieg die Information, dass er gut mit Energie für das Gehirn versorgt ist, jetzt wäre eine gute Zeit für ein Nickerchen, er wird schläfrig.

Ganz anders bei der Aufnahme von Proteinen (Eiweiß, Aminosäuren): dadurch wird die Ausschüttung von Orexin angeregt, der Körper wird aktiver und wacher. Interessant ist: wenn Zucker und Protein gleichzeitig verabreicht werden, so überwiegt die Wirkung des Proteins. Die ungünstige Zuckerwirkung in einer Mahlzeit auf das Wach-System läßt sich also durch Proteine „entschärfen“. Die Wirkung von Fett auf das Orexin-System ist „neutral“ – es hat keinen speziellen Einfluss auf das Wach-System.

Das Hormon Orexin (auch: Hypocretin) wird im Hypothalamus produziert. Der Hypothalamus ist im Hirnstamm so etwas wie ein Kontrollzentrum des Körpers für Aktivität, Nahrungsaufnahme, Körpertemperatur und Schlaf. Er steuert damit die Gesamtaktivität. Säugetiere, denen Orexin fehlt, fallen immer wieder in Schlaf („Narkolepsie“) und setzen Fett an.

Fazit: wer mental leistungsfähig sein möchte, sollte immer auf eine ausreichende Zufuhr von Proteinen achten und auf Zucker eher verzichten. Also besser ein Ei als Pausensnack als ein Stück Schokolade, besser ein Brot mit Ei oder Fisch als ein Brot mit Marmelade oder Nußcreme.

Mittwoch, 23. Mai 2012 - Dr. Johannes Koepchen


Kommentare

Hallo Herr Dr. Koepchen, vielen Dank für den Artikel. Was für die mentale Leistungsfähigkeit gilt hat auch Bedeutung für das Thema Gewicht. Hier gibt es die ähnliche Empfehlung, die "kurzen" Kohlenhydrate mit Protein "einzufangen". Einen süßen (Obst-)Snack also am besten beispielsweise mit Joghurt oder Quark zu genießen. So werden Blutzuckerspitzen vermieden und der Heißhunger bleibt aus. Bleiben sie erfolgreich gesund!
Brauner (Homepage) am 25.05.2012 12:39
Wie sieht es mit zusätzlichem Honig in ihrem serviervorschlag aus? zu viel zucker?
mesut b (Homepage) am 30.05.2012 10:41
Okay das ist interessant Obst am besten gemeinsam mit Joghurt zu essen. Danke für deinen Tipp.

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