Wird Burnout übertrieben? Ist jede Erschöpfung gleich ein Burnout? Verbergen sich dahinter Depressionen? Führt anstrengende Arbeit automatisch zu Burnout? Damit setzt sich die „ZEIT“ 49/2011 kritisch auseinander.
Die Artikel sind lesenswert und gut abgewogen. Als kurzes Resümee:
- Nach der Burnout-Erkenntniswelle folgt jetzt eine Art Burnout-Übertreibung.
- Hinter ca 60% der Burnout-Fälle steckt eine Depression (Erschöpfungs-Depression, Stress-Depression).
- Burnout ist in der Leistungsgesellschaft akzeptiert: „ich habe mich zu sehr verausgabt“, oder „die Anforderungen waren zu hoch“. Burnout-Patienten sind ehemalige „High-Performer“, Depressive gelten tendenziell eher als „Low-Performer“ oder „Versager“
- Hohe Anforderungen auf der Arbeit machen nicht automatisch krank. Arbeit ist für die meisten Menschen ein großer Sinngeber. Nur in 20-30% der Fälle besteht ein Zusammenhang zwischen harter Arbeit und Erschöpfungsdepression.
- Warum sorgen wir nicht genügend für uns, wenn wir an unsere Grenzen kommen? Burnout-Patienten haben oft überstarke innere Antreiber, so dass persönlichen Grenzen nicht respektiert werden.
- Wir müssen zugeben, dass wir nicht so fit und unerschöpfbar sind, wie wir gern wären.
- Wer beruflich hoch hinaus will, muss auch lernen, mit Niederlagen umzugehen, und kann nicht einfach weitermachen wie vorher.
- „Burnout“ ist ein spezifisch deutsches Konstrukt, passend zur deutschen Leistungsgesellschaft, hat Verbindung zur Arbeitssucht. (Ausländer sagen manchmal: „Die Deutschen sind verrückt, dass sie so viel arbeiten…“)
- Die Bedeutung von sozialen Beziehungen, Familie, tieferen Empfindungen wird oft unterschätzt.
- Ist es Depression, Burnout oder Erschöpfung? Gefordert sind professionelle Anlaufstellen für Gefährdete, die kurzfristig erreichbar sind.
Ähnliche Aspekte finden sich derzeit in vielen Magazinen. Wir werden uns in Zukunft viel mit den psychischen Belastungen beschäftigen müssen. Umso wichtiger wird es, eine aktive Haltung einzunehmen.
Links zu den Artikeln: