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Jul

Hohe Arbeitsdichte kann depressiv machen


Eine Studie der BAuA an 517 deutschen Beschäftigten aus drei Branchen (Banken und Versicherungen, Gesundheitswesen und öffentlicher Dienst) hat nachgewiesen, dass eine hohe Arbeitsdichte depressive Verstimmungen begünstigt: je höher die objektive Arbeitsbelastung, desto häufiger traten Depressionen auf. Die Arbeitsdichte wurde dabei mit objektiven Kriterien gemessen, unabhängig von der Einschätzung der Beschäftigten selbst.

Der persönliche Handlungs-Spielraum stand dagegen in keinem Zusammenhang mit den depressiven Erkrankungen. Offenbar werden objektiv vorhandene Möglichkeiten von depressiv gestimmten Personen nicht ausreichend wahrgenommen.

Depressive Erkrankungen treten immer häufiger auf

Depressive Erkrankungen verursachen unter den psychischen Störungen den höchsten Anteil an Kosten und Frühberentungen. Etwa jede 10. weibliche und jeder 20. männliche Erwerbstätige erfüllt die Kriterien einer Depression. Laut Einschätzung von Experten wird die Anzahl der Depressionen steigen und 2020 die Herz-Kreislauferkrankungen an Häufigkeit überholt haben. Daher sind die Bedingungen, unter denen diese Erkrankungen auftreten, für Unternehmen von hoher Relevanz.

Noch keine validen Instrumente für die Gefährdungsanalyse

Andererseits gibt es für die Gefährdungsanalyse auf psychische Belastungen noch keine ausreichend validen und praktikablen Instrumente. Diese sollten nach den Empfehlungen der BAuA-Studie sowohl objektive als auch subjektive Verfahren kombinieren.

Vorschläge für präventive Maßnahmen

Zur Optimierung der Arbeitsintensität schlägt der Bericht vor:

  • Regelmäßige Mitarbeitergespräche und Führen mit gemeinsam vereinbarten Zielen, um die Arbeitsintensität den vorhandenen Möglichkeiten anzupassen und um widersprüchliche Anforderungen zu vermeiden
  • Mehr zeitliche Freiheitsgrade, Prioritäten setzen zu können
  • Anpassung der Arbeitszyklen (z.B. unterschiedliche Arbeitsinhalte in Call-Centern, um sehr arbeitsintensive Zyklen mit häufigen Kurzzeit-Kontakten zu kompensieren)
  • Spezielle Maßnahmen im Wiedereingliederungsgespräch

Weitere Ergebnisse der Studie:

  • Die Messung der Cortisolsekretion eignet sich nicht zum Screening auf Depressivität.
  • Störungen in der Fähigkeit zur Erholung und Schlafstörungen erhöhen das Risiko auf Depression.
  • Bluthochdruck bestand bei den männlichen Beschäftigten in 48%. Vor allem der diastalisch erhöhte Blutdruck hängt mit den Arbeitsbelastungen zusammen.
  • Die objektive zeitliche Imbalance zwischen Arbeits- und Privatleben (Work-Life-Balance) hat wenig Zusammenhang mit depressiven Verstimmungen.

Der vollständige Forschungsbericht "Untersuchung arbeitsbedingter Ursachen für das Auftreten von depressiven Störungen" (F 1865) von R. Rau, N. Gebele, K. Morling und U. Rösler, ISBN: 978-3-88261-114-4, kann kostenlos von der Website der BAuA herunter geladen werden: http://www.baua.de/cln_135/de/Publikationen/Fachbeitraege/F1865.html

Aus der BAuA-Studie:

Anmerkung: laut Fehlzeiten-Report 2009 ist der Anteil der psychischen Erkrankungen weiter angestiegen: in den Branchen

  • Dienstleistungen auf 11,2 AU-Fälle je 100 Versicherte
  • Öff. Verwaltung auf 11,2 AU-Fälle je 100 Versicherte
  • Banken-Versicherungen auf 10,6 Fälle je 100 Versicherte

Dr. J. Koepchen 22.07.2010

Donnerstag, 22. Juli 2010 - Dr. Johannes Koepchen

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